Mehr Dynamik in der beruflichen Vorsorge

Impressum: «Ticino Management»: economia: Pensionskassen, März 2007, von Marzio Molinari

Den Mindestzinssatz im BVG übertreffen, dank einer langfristigen Anlagepolitik und Titeln mit grösseren Performace-Erwartungen, aber ohne deswegen das Risiko zu erhöhen – das ist die Anlagestrategie der unabhängigen Sammelstiftung Profond.

Eine Studie der Universität St. Gallen vom letzten September zeigt auf, dass die meisten Schweizer Pensionskassen in ihren Anlagestrategien zu konservativ sind und deswegen den BVG-Mindestzinssatz von 2,5% nicht erreichen. Die Experten der Universität erwähnen, dass einige Vorsorgeeinrichtungen, hauptsächlich private, mit dynamischen Anlagestrategien regelmässig Anlagerenditen von 10% und mehr erzielen, ohne sich deswegen unkontrollierten Risiken auszusetzen.

Dynamische, flexible und unabhängige Vorsorgeeinrichtungen bieten interessante Alternativen zu den traditionellen Versicherungen. Ein Beispiel ist die unabhängige Vorsorgeeinrichtung Profond. Sie wurde 1990 von fünf KMU-Betrieben aus der Region des Zürichsees gegründet und ist bis heute auf fast 1200 angeschlossene Firmen angewachsen. Sie versichert mittlerweile 18'000 Versicherte mit Altersguthaben von 1,8 Milliarden Franken.

Seit letztem Jahr ist Profond mit einer Geschäftsstelle in Lugano auch in der italienischen Schweiz präsent. «Aus ethischer Sicht ist es Pflicht jedes Unternehmens, für die eigenen Mitarbeiter das Maximum aus der beruflichen Vorsorge zu machen. Daraus folgt die Bereitschaft, Alternativen zu prüfen, die der Markt anbietet» betont Enrico Elzi, Verantwortlicher der Profond für den Tessin und das Misox.

«Unser Ziel ist es, auch südlich der Alpen eine grössere Dynamik und Transparenz einzubringen. Das stetige Wachstum der  Profond (in den letzten vier Jahren im Durchschnitt plus 48%), beweist die starke Nachfrage nach innovativen, wirtschaftlichen Lösungen. Wir wollen die Bedürfnisse von KMU-Kunden in der italienischen Schweiz besser erfüllen, indem wir ein fortschrittliches Anlagemodell und günstige Anschlusskonditionen anbieten.»

Enrico Elzi, Profond

Enrico Elzi, Profond-Verantwortlicher für Tessin und Misox

In diesem Sinne wurde laut Elzi die Profond aufgebaut und organisiert. Als Selbsthilfeorganisation hat sie nicht das Erreichen von Share-Holder-Value zugunsten von Aktionären im Fokus, sondern die beste Wertschöpfung für die angeschlossenen Unternehmen, ihre Versicherten und Rentner. «Die Profond will unter den gegebenen Performance-Voraussetzungen der Finanz- und Kapitalmärkte bei kalkuliertem Risiko die höchstmögliche Rendite erreichen und die Guthaben der Versicherten und Rentner im Mittel mit mindestens 4% jährlich verzinsen.»

Seit Gründung hat Profond im Durchschnitt eine Nettorendite von 6.9% erwirtschaftet und den Altersguthaben Zinsen von 5.1% gutgeschrieben. Die Grafik zeigt die Entwicklung der Performance mit Spitzen von über 17% in den Jahren 1997 und 2005. Diese ausgezeichneten Resultate haben sich unmittelbar auf erhöhte Zinsgutschriften ausgewirkt. «Im vergangenen Jahr hat Profond 6% Zinsen gutgeschrieben, sowohl im obligatorischen als auch im überobligatorischen Bereich.»

performance: Fondazioni collettivi indipendentti: costi

«Die gesamthaft gutgeschriebenen Zinsen haben den gesetzlichen Mindestzinssatz um 27.5% übertroffen» erklärt der Profond-Verantwortliche für den Tessin und das Misox und präzisiert, dass nicht alle Überschüsse direkt den Versicherten gutgeschrieben werden: ein Teil wird dazu eingesetzt, den Deckungsgrad zu verstärken, um die versicherungstechnischen Verpflichtungen abzusichern. «Dennoch lag der Deckungsgrad im Jahr 2001 unter 100% und wegen schwierigen Finanzmärkten sind auch die gutgeschriebenen Zinsen vorübergehend unter 4% gefallen». Aber dank der ausgezeichneten Zusammenarbeit mit den angeschlossenen Unternehmen ist Profond relativ rasch und unversehrt der Krisensituation entkommen. Für die Anschlüsse gab es keine finanziellen Mehrbelastungen, und Profond nahm auch keine Tarifanpassungen vor – anders als andere Sammelstiftungen.

Der Aktienanteil von Profond ist höher als derjenige der Konkurrenten: 2006 lag er um 43%. «Das hat uns erlaubt, eine Performance von 10.8% zu erreichen und gibt uns die Hoffnung, auch für das Jahr 2006 eine gute Verzinsung gutschreiben zu können», bemerkt Elzi.

Ein Pensionskassenvergleich der Finanzberatungsfirma «Weibel Hess & Partner» in Stans zeigt, dass Sammelstiftungen von Versicherungsgesellschaften mit Aktienquoten von nicht höher als 8%  auch im Jahr 2005 eine Performance zwischen 3.75% und 5.5% erreichten. Mit den Strategien der unabhängigen Vorsorgeeinrichtungen, das heisst mit bedeutenderen Aktienquoten – im Durchschnitt um 20% – wurden 10% übertroffen und Profond hat 17.1% erreicht.

Dank den überdurchschnittlichen Anlageergebnissen konnte Profond den Satz, mit dem bei der Pensionierung Altersguthaben in Rente umgewandelt werden, bei 7.2% halten. Dagegen haben Politiker bereits eine Herabsetzung auf 6.8% beschlossen und möchten jetzt die Reduktion bis 2011 beschleunigen und auf 6.4% vorantreiben.

Evoluzione degli averi di vecchiaia

Der Grafik kann man den immensen Einfluss von Zins und Umwandlungssatz auf die Höhe der Renten entnehmen. Es handelt sich dabei um einen theoretischen Fall unter der Voraussetzung von konstanten jährlichen Sparbeiträgen. «Trotzdem ist das Beispiel aussagekräftig. Auch bei unscheinbar besseren Konditionen können sich Kapital und Rente schnell verdoppeln», fasst Elzi zusammen, «und wenn die Situation es erlaubte, haben wir auch die laufenden Renten angepasst». Die laufenden Renten wurden zwischen 1990 und 2005 jährlich um durchschnittlich 1.2% erhöht.

«Dank einer Rückdeckung beim Lebensversicherer PKRück, der von fünf unabhängigen Sammelstiftungen gegründet wurde, sind auch die Preise für die Todesfall- und Invaliditätsrisiken äusserst konkurrenzfähig. Analog zur Profond wurde PKRück als Selbsthilfeorganisation konzipiert. Weil nur Pensionskassen Aktien erwerben können, fliessen sämtliche Gewinne der PKRück an die Versicherten zurück und dämpfen ihre Risikoprämien. Im Vordergrund des Versicherers steht nicht der eigene Gewinn, sondern die Kostensenkung für Betriebe und Mitarbeiter. Mit einem ausgedehnten Case Management wird primär versucht, Personen, die aus gesundheitlichen Gründen arbeitsunfähig wurden, wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren und damit Rentenzahlungen und Betreuungskosten zu vermeiden», schliesst der Verantwortliche für Tessin und Misox.

Marzio Molinari

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