Pensionskasse zahlt 7,3 Prozent Zins
Finanzchef Ruesch zeigt, wie es geht
Impressum: Mit freundlicher Genehmigung des Autoren, Silvio Bertolami. BlickWirtschaft, Donnerstag, 22. Juni 2006, Seite 16. © 2006 Blick/Ringier AG.
Foto Dominik Baumann
«Wir behandeln die Rentner gleich gut, wie die Aktiven», sagt Hans-Peter Ruesch, Finanzchef der Vorwerk-Pensionskasse.
Wollerau SZ. Eine Firma im Kanton Schwyz zeigt, wie man es machen muss: das Geld in der Pensionskasse gut anlegen. Dann kann man auf die Altersguthaben der Mitarbeitenden einen hohen Zins zahlen. Und erst noch die laufenden Renten erhöhen.
Vorwerk International heisst die Firma. Sie ist Teil eines deutschen Familienunternehmens und verkauft Haushaltgeräte im Direktvertrieb. Die Zahl der Mitarbeiter in der Schweiz: knapp 120.
Diese haben Teil am enormen Geldsegen der Pensionskasse. Seit 1993 erhielten sie im Durchschnitt der Jahre 7,3 Prozent Zins auf ihren Altersguthaben. Das Ist rekordverdächtig. Die meisten Pensionskassen zahlten in dieser Zeit nur den Mindestzins oder ein bisschen mehr. Er lag je nach Jahr bei 2,25 bis 4,0 Prozent.
Die Höhe des Zinssatzes ist für die späteren Renten äusserst wichtig: Wer während des Erwerbslebens nur ein Prozentchen mehr Zins auf seinem Altersguthaben erhält, hat dann eine 20 bis 25 Prozent höhere Rente.
Aber wie kann die Vorwerk-Pensionskasse mehr Zins zahlen als die meisten anderen? Ist da nicht ein fauler Trick dabei? «Keineswegs», sagt Finanzchef Hans-Peter Ruesch (44), «auf die richtige Geldanlage kommt es an.»
Bis 1993 war seine Pensionskasse der Rentenanstalt angeschlossen (heute Swiss Life). Ruesch blickt zurück:
«Wir waren sehr unzufrieden mit der Rendite und sagten uns: Das können wir besser machen.» Vorwerk ist Teil eines Konzerns, man ist es gewohnt, mit grösseren Geldsummen umzugehen. Und man weiss, was auf die Dauer eine hohe Rendite abwirft: Aktien, nicht Obligationen oder Immobilien.
Nach der Verselbständigung 1993 steckte Vorwerk 30 Prozent des PK-Vermögens in Aktien. Das war damals viel. Auch heute liegt die Aktienquote weit über dem Durchschnitt – bei 50 Prozent. So viele Aktien – ist das nicht gefährlich? Kommt da bei einem richtigen Börsenkrach nicht das böse Erwachen? Ruesch wiegelt ab: «Wir haben den Deckungsgrad von anfänglich 107 Prozent auf 140 Prozent gesteigert. Das Polster ist so dick, dass wir auch einen Crash durchstehen können.»
Bei einem Deckungsgrad von 140 Prozent übersteigt das Vermögen die Verpflichtungen um 40 Prozent. Das ist bemerkenswert! Denn die Pensionskasse hat ja in Form hoher Zinsen grosszügig Geld verteilt. Und immer auch die Rentner beglückt: Diese kamen seit 1993 in den Genuss von neun Sondergutschriften. Ruesch: «Wir behandeln die Rentner gleich gut wie die Aktiven.»
An den Börsen ging es in den letzten Wochen wieder mal rasant abwärts. Kommen Ruesch in solchen Momenten nicht doch Zweifel? Nein, sagt er: «Wenn die Kurse stark sinken und die Aktien günstig sind, kaufen wir ein bisschen dazu.» top ↑
Mindestzins 2,5 Prozent
Bern. Er ist wichtiger als der Zins auf dem Sparkonto. der Zinssatz, den die Pensionskassen auf den Altersguthaben zahlen. Denn diese Altersguthaben gehen bei den meisten Arbeitnehmern in die zehntausende, ja hunderttausende von Franken. Zurzeit müssen sie mit mindestens 2,5 Prozent verzinst werden. Das ist wenig. Die Gewerkschaft Travail Suisse fordert ab Januar 2007 einen Mindestzins von 3,25 Prozent. Versicherungsgesellschaften hingegen möchten sogar noch unter die heutigen 2,5 Prozent gehen. Wie hoch oder wie tief der Mindestzins nächstes Jahr sein wird, entscheidet der Bundesrat.
Silvio Bertolami, 55, lic.rer.pol, BLICK-Autor top ↑
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