Altersrenten sichern

Impressum: Leserbrief von Hans-Peter Ruesch, PK Assets AG in Wilen-Wollerau – Erschienen am 3. März 2010 in Finanz und Wirtschaft, Seite 36, auf den gleichnamigen Artikel vom 6. Februar 2010.

Das Erzielen einer genügend hohen langfristigen Rendite (netto 4%) zur Beibehaltung eines Umwandlungssatzes von 6,8% und höher ist bei einer gesund strukturierten Pensionskasse auch heute noch unverändert möglich.

Statt Umwandlungssatz senken, Rendite erhöhen!

Die Ereignisse der Finanzkrise der letzen 2 Jahre dürfen dabei den Planungshorizont nicht zu stark prägen. Vorsorgegelder haben einen sehr langen Anlagehorizont, so wird in der Regel 40 Jahre angespart und 25 Jahre entspart. Um die erwähnte Rendite erzielen zu können, braucht es eine Anlagestrategie mit einem relativ hohen Aktienanteil.

Das Langlebigkeitsrisiko spielt dabei lediglich eine untergeordnete Rolle. Dieses kann mittels Anlagen in den Sektoren, die von Langlebigkeit profitieren, entsprechend aufgefangen werden (z.B. Medtech, Pharma, altersgerechte Immobilien). Die daraus resultierende höhere Rendite kann zur Verstärkung der Rückstellung für das Langlebigkeitsrisiko verwendet werden.

Was spricht für einen hohen Aktienanteil?

Die Ausgangslage für den Aktieninvestor war schon lange nicht mehr so gut, hat sich doch der Total Shareholderreturn wesentlich verändert; dem Aktionär fliessen in Form von höheren Dividenden beträchtliche Mittel zu, gleichzeitig verstärkt das Management bei vielen Unternehmen die Eigenkapitalbasis. Mitunter werden Risiken abgebaut, was zu einer höheren Berechenbarkeit der künftigen Cashflows führt.

Deshalb muss sich der Investor vor allem für Aktien mit hohen Cashflows und den entsprechenden Dividenden interessieren. Gleichzeitig erwirbt er sich durch die Sachwerte einen Schutz gegen künftige Inflation. Weil die Zinsen bei Obligationenanlagen zurzeit sehr tief sind, steigt die Attraktivität der mit einer hohen und stabilen Ausschüttung versehenen Aktienanlagen umso mehr.

Wie geht man mit der hohen Volatilität um?

Die höhere Volatilität der Aktienanlage reduziert sich bei der Ausdehnung des Betrachtungszeitraumes wesentlich. Ein fähiger Vermögensverwalter rekalibriert seine Vermögensallokation in systematischer Weise: Bei steigenden Märkten reduziert er laufend das Engagement in Aktien auf den Normalwert, während er bei fallenden Märkten laufend Aktien nachkauft; beides ist für den Verwalter fordernd, da er jeweils antizyklisch gegen die Euphorie und die Angst gegen(de-)investieren muss.

Wie in der jüngsten Finanzkrise geschehen werden in der letzten Phase des Ausverkaufs genau die Titel aus den Portefeuilles gespült, die bisher zu recht noch eine relativ bessere Performance ausgewiesen hatten – eine veritable systematische Antiselektion, die unglaubliche Chancen eröffnet für denjenigen, der auf dem Abwärtsgang zukaufen kann, weil er oben verkauft hat.

Welchen Einfluss hat die Deckungsgradproblematik?

Pensionskassen haben mehr Freiraum in der Wahl der Instrumente und der Strategie, da hier eine vorübergehende Unterdeckung möglich ist. Voraussetzung ist allerdings eine gesunde Altersstruktur, d.h. Verhältnis zwischen Aktiven und Rentnern sollte ausgewogen sein. Bei einer gesunden Kasse sind die gängigen Risikokonzepte somit nur bedingt anwendbar.

Die den Stiftungsräten durch Aufsichtsbehörden vermittelte Denkweise der Deckungsgradoptimierung (Risikominimierung) statt Renditeoptimierung (Risikooptimierung) führt zu kurzfristigen Verhaltensweisen, die mit Volatilität nur schwer umgehen kann.

Eine Kasse, welche die Altersguthaben durchschnittlich höher verzinst als nur zum BVG Minimum, gibt einem Versicherten, der die Pensionskasse bei Unterdeckung verlässt, trotzdem mehr Altersguthaben mit, als er bei Minimalverzinsung und Volldeckung erhalten würde.

Es gilt auch für die Zukunft, was in der Vergangenheit bereits der Fall war: Aktienanlagen rentieren wesentlich besser als Obligationenanlagen, und diese wiederum höher als Geldmarktanlagen.

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