Analyse der finanziellen Situation
von Profond – per 1. Januar 2009

Autor: Herbert Brändli, B+B Vorsorge AG, Präsident des Stiftungsrates der Profond Vorsorgeeinrichtung, 8800 Thalwil, 14. März 2009. Sie können hier ein PDF herunterladen.

Inhalt

1. Deckungsgradentwicklung
1.1 Entwicklung von Profond seit der Gründung 1991
1.2 Entwicklung von Profond 2008
1.3 Mittelfristige Entwicklung der Profond

2. Ursachen der Unterdeckung
2.1 Leistungs-/Finanzierungskonzept
2.2. Sicherheits-/Rückdeckungskonzept
2.3 Anlagevermögen
2.4 Sollrendite/Erträge
2.5 Wachstum

3. Liquiditätsbedarf und –bereitstellung
3.1 Ausgangslage
3.2 Aussichten 2009
3.3 Mittel- bis langfristige Entwicklung

4. Wirkungsweise von Sanierungsmassnahmen
4.1 Reduktion von Leistungen
4.2 Verstärkung der Finanzierung

5. Einsatz von Sanierungsmassnahmen
5.1 Langfristige Ausrichtung
5.2 Finanzierungsbasis erhalten

6. Empfehlungen von Risikomanagement und Experten
6.1 Vermögenserträge
6.2 Leistungsreduktionen
6.3 Auswirkungen auf den Deckungsgrad
6.4 Flankierende Massnahmen

Am 1. Januar 2009 startet Profond mit einem Deckungsgrad von 85 Prozent in das Geschäftsjahr 2009. Das Risikomanagement der Profond hat im Hinblick auf anstehende Sanierungsmassnahme die vorliegende Analyse der aktuellen finanziellen Situation und Risiken erarbeitet. Die unter Ziffer 6 diskutierten Sanierungsmassnahmen wurden aufgrund der Empfehlungen des Experten einbezogen.

1. Deckungsgradentwicklung

Der Deckungsgrad ist eine Masszahl für die finanzielle Situation einer Pensionskasse. Er zeigt das Verhältnis der verfügbaren Mittel zum notwendigen Deckungskapital an einem ganz bestimmten Stichtag. Der Deckungsgrad setzt Vermögensteile zu Marktwerten mit Kalkulationswerten, den Barwerten erwarteter und laufender Leistungen, ins Verhältnis. Diese Kennzahl für sich ist darum nicht sehr aussagekräftig und gibt wenig Aufschluss über die finanzielle Sicherheit. Sie muss im Gesamtkontext der getroffenen Annahmen (Diskontierungssatz, biometrische Grundlagen, Mutationshäufigkeiten), der Bestandesstruktur und ihrer Veränderungen, der Verteilungspolitik (Ausschüttungen), insbesondere aber bezüglich der zeitlichen Entwicklung (Abweichungsanalyse von Annahmen und Wirklichkeit) betrachtet werden.

1.1 Entwicklung von Profond seit der Gründung 1991

Nachstehender Vergleich «Profond/BVG» zeigt den Verlauf der Profondvermögen seit 1991. Der Vermögensentwicklung gemäss tatsächlich erzielter Nettoperformance wurden die Altersguthaben gemäss BVG sowie der Verlauf entsprechend der Verzinsung durch Profond gegenübergestellt.

Vergleich Profond/BVG:
Vergleich Profond/BVG

Profond kalkuliert die anwartschaftlichen Leistungen mit einem technischen Zins von 4,0 Prozent, was der reglementarischen Verzinsung der Altersguthaben entspricht. Damit ist die angestrebte Gleichbehandlung der Anspruchsgruppen Aktive und Rentner gewährleistet. Die kalkulatorische Sicherheitsmarge (Sollrendite – technischer Zins) beträgt 0,2 Prozent. Die Sollrendite von 4,2 Prozent wurde bis und mit 2008 bei einem mittleren Ertrag von 5,2 Prozent im Jahresdurchschnitt um 1.0 Prozent übertroffen.

Das Leistungs- Finanzierungskonzept ist im Gleichgewicht. Bei Überschüssen ist die Verteilungspolitik auf kausale Gerechtigkeit ausgerichtet. Unkontrollierte Umverteilungen sollen möglichst vermieden werden. Zusatzausschüttungen in Form von Zusatzzinsen und Rentenerhöhungen sollen gleichwertig vorgenommen werden. Mit einer moderaten Reservenbildung wird zudem eine gerechte Vermögensaufteilung zwischen den Generationen angestrebt.

Der Deckungsgrad hat sich im gewünschten Rahmen entwickelt. Die Einbrüche 2001 und 2008 waren börsenbedingt und hatten keine strukturelle Ursache.

Deckungsgrad:
Deckungsgrad

1.2 Entwicklung von Profond 2008

Die Entwicklung des Deckungsgrads 2008 wird in nachstehender Tabelle, ausgehend von 103,6 Prozent, mit einer Fortschreibung des Vermögens und der Verpflichtungen aufgezeigt. Dabei wurde das Vermögen anhand der monatlichen Erträge und Nettokapitalzuflüsse entwickelt. Die Verbindlichkeiten wurden mit den monatlichen Altersgutschriften, abzüglich der Rentenzahlungen sowie den Zinsen auf dem Rentendeckungskapital (4,0 Prozent) und dem Sparkapital (2,75 bzw. 4 Prozent) hochgerechnet. Bestandesänderungen bei den Renten wurden nicht berücksichtigt.

Der Deckungsgrad am 31. Dezember 2008 hat auf Basis von 4,0 Prozent 83,7 Prozent betragen. Mit einer reduzierten Verzinsung von 2,75 Prozent im Berichtsjahr könnte er auf 84,6 Prozent verbessert werden.

Aufgrund der vereinbarten Neuzugänge per 1. Januar 2009 mit einem Vermögen von CHF 270 Mio. erhöht sich der Deckungsgrad auf 85,4 Prozent mit 4,0 Prozent Zins bzw. 86,2 Prozent mit 2,75 Prozent Zins.

1.3 Mittelfristige Entwicklung der Profond

In nachstehender Graphik wurde die mittelfristige Deckungsgradentwicklung ab dem 1. Janauar 2009, welche aufgrund der bis dahin für Profond gültigen Indikatoren und Parameter erwartet werden konnte, (Prognose 2009) der Situation im Vorjahr (Prognose 2008) gegenübergestellt.

Erwartete Entwicklung von Profond:
mittelfristige Entwicklung Deckungsgrad

Die Ausgangslage am 1.1.2008 mit einem Deckungsgrad von 103,6 Prozent liess, strukturell bedingt, ceteris paribus einen gebremsten Aufwärtstrend erwarten. Die Situation war charakterisiert durch

  1. eine leichte Überfinanzierung im Risikobereich. Aus dem Beitrags- Leistungsgefüge ergaben sich Risikogewinne und Finanzierungsüberschüsse in Höhe von insgesamt 1 Lohnprozent. Dieser positive Effekt auf die Entwicklung des Deckungsgrads wurde in den Prognosen 2008/2009 rechnerisch nicht berücksichtigt.
  2. eine kostengerechte Abdeckung der Altersgutschriften und Verwaltungsaufwendungen durch Beiträge. Dank der deckungsgleichen Finanzierung haben Altersgutschriften und Verwaltungskosten keinen Einfluss auf den Verlauf des Deckungsgrads.
  3. eine langfristig erwartete Marge über 2,0 Prozent zwischen erwartetem Ertrag und technischem Zins. Diese Vorgabe beruhte auf einem technischen Zins von 4,0 Prozent und der historisch erzielten, durchschnittlichen, jährlichen Performance von 6,9 Prozent bis Ende 2007.
  4. ein starkes Bestandeswachstum. Steigerungen des Deckungsgrads über 100 Prozent wurden wegen überdurchschnittlicher Wachstumsraten stark gebremst, weil für Neuzugänge laufend Einkäufe in technische Reserven und freie Mittel mit dem zugehörigen Verwässerungseffekt erfolgen mussten.

Die Ausgangslage am 1. Januar 2009 präsentiert sich, ausgehend vom markant tieferen Niveau von 85 Prozent, mit einem verstärktem Trend nach oben, weil der wachstumsbedingte Verwässerungseffekt wegfällt, bzw. sich bei negativem Deckungsgrad ins Gegenteil verkehrt und zu einer Verwässerung der Unterdeckung führt. Die Wachstumsraten dürften aber infolge der neuen Ausgangslage stark zurückgehen. Für die Projektion 09 wurde sie darum um die Hälfte auf 15 Prozent reduziert. Bedingt durch den Wertzerfall der Aktien, wurde zudem eine Reduktion der langfristigen Ertragsmarge, auf neu 6,5 Prozent, in Rechnung gestellt.      top ↑

2. Ursachen der Unterdeckung

Die Unterdeckung ist zur Hauptsache auf (nicht realisierte) Verluste auf dem Anlagevermögen zurückzuführen. Der starke Einfluss der Finanzmarktentwicklung zeigt sich in der monatlichen Bewegung und der hohen Volatilität des Deckungsgrads. Nachdem im Monat Mai das Jahreshöchst von 105,2 Prozent erreicht wurde, erfolgte nach dem Absturz im Oktober um 13 Prozent-Punkte der Niedergang des Deckungsgrads bis Ende Dezember auf das Jahrestief von 85,4 Prozent (vgl. Ziffer 1.2).

2.1 Leistungs-/Finanzierungskonzept

Der Verlauf der Risiken im bestehenden Leistungs-/Finanzierungsgefüge hat die versicherungstechnische Bilanz tendenziell verbessert. Systemisch entsprechen die Beiträge an die Altersvorsorge den jeweiligen Altersgutschriften und verhalten sich bilanzmässig entsprechend neutral. Die Risikobeiträge sind gemäss Analyse im versicherungstechnischen Gutachten 2007 ausreichend zur Finanzierung der Risikoleistungen und des Verwaltungsaufwands. Nach Abzug aller Kosten resultierte ein Beitragsüberschuss von 0,4 Prozent der versicherten Löhne. Im Berichtsjahr 2008 wurden keine grundlegenden Veränderungen zu dieser Situation festgestellt.

2.2 Sicherheits-/Rückdeckungskonzept

Im Jahr 2007 standen einer Schadenerwartung von CHF 13,8 Mio. und vereinnahmten Versicherungsleistungen von CHF 0,5 Mio. ausbezahlte Leistungen von CHF 7,8 Mio. gegenüber. Die entsprechenden Risikogewinne beliefen sich auf 0,6 Prozent der versicherten Löhne. Im Berichtsjahr 2008 waren die Verhältnisse analog. Aus dem Rückdeckungskonzept ergab sich bisher tendenziell eine Verbesserung der versicherungstechnischen Bilanz. Hingegen dürften aufgrund des Konjunktureinbruchs die Invaliditätsfälle zunehmen und statt der Risikogewinne könnten vorübergehend technische Verluste anstehen.

2.3 Anlagevermögen

Auf Wertpapieren wurden im Berichtsjahr Verluste von CHF 47,4 Mio. realisiert. Die unrealisierten Verluste beliefen sich auf CHF 686,3 Mio. Dieser Wertzerfall betrug rund 30 Prozent des durchschnittlichen Anlagevermögens von CHF 2267 Mio. Er hat die versicherungstechnische Bilanz massiv verschlechtert und ist die zentrale Ursache der Unterdeckung Ende 2008. Dank zeitlich günstig angefallenen Kapitalflüssen, insbesondere wegen Neuzugängen, war die Verschlechterung des Deckungsgrads geringer als die ausgewiesenen Negativperformance von –25,7 Prozent.

2.4 Sollrendite/Erträge

Profond unterscheidet gemäss ihren kalkulatorischen Vorgaben Sollrenditen auf den Vermögen der Aktiven und Rentenbezüger sowie den technischen Reserven. Die Sollrendite von 4,2 Prozent für die Aktiven setzt sich aus dem technischen Zins von 4,0 zuzüglich 0,2 Prozent für die Garantie des reglementarischen Umwandlungssatzes zusammen. Für laufende Renten berechnet sie sich aus dem technischen Zins, und wird zur Ausfinanzierung der zunehmenden Lebenserwartung um 0,5 auf 4,5 Prozent erhöht. Die Sollrendite auf den technischen Rückstellungen entspricht dem technischen Zins.

Bei der aktuellen Versichertenstruktur berechnet sich für Profond aus den genannten Komponenten eine Sollrendite von 4,2 Prozent. Dieser steht eine Anlagestrategie gegenüber, die auf Ertragserwartungen zwischen 6,0 und 8,0 Prozent ausgerichtet ist. Seit 1991 bis Ende 2007 wurde mit dieser Strategie eine durchschnittliche Performance von 6,9 Prozent erwirtschaftet. Die Kursverluste im Jahr 2008 reduzierten dieses Mittel aber auf 5,2 Prozent, was nach wie vor signifikant über der Sollrendite liegt.

2008 wurden direkte Erträge (Zinsen, Coupons, Dividenden, Währungsgewinne) von CHF 68,8 Mio. bzw. 3 Prozent des Anlagevermögens erwirtschaftet. Die Kosten für Steuern, Transaktionen und Pauschalspesen betrugen CHF 11,3 Mio. bzw. 0,5  Prozent. Die minimale Sollrendite von 4,2 Prozent wurde in diesem Jahr somit um 1,7 Prozent unterschritten, was die versicherungstechnische Bilanz negativ beeinflusst hat.

2.5 Wachstum

Per Stichtag 1. Januar 2009 konnten Vorsorgewerke mit einem Vermögen von CHF 270 Mio. (+12,4 Prozent) neu angeschlossen werden. Dank diesen Neuanschlüssen wurde die versicherungstechnische Bilanz positiv beeinflusst. Der Deckungsgrad hat sich in der Folge über den Jahreswechsel um 1,7 Prozent erhöht. Umgekehrt führte das starke Wachstum in den vergangenen Jahren jeweils zu einer Nivellierung des Deckungsgrads nach unten, weil beträchtliche Teile der Ertragsüberschüsse zum Aufbau von Reserven für die Neuanschlüsse absorbiert wurden.      top ↑

3. Liquiditätsbedarf und -bereitstellung

Der Liquiditätsbedarf ergibt sich aus den laufenden Verpflichtungen zur Führung, Administration, Absicherung und Kontrolle der Stiftung sowie den laufenden Zahlungen für Leistungen. Die erforderliche Liquidität kann bereitgestellt werden durch laufende Beitragseingänge, Vermögenserträge und allenfalls den Verzehr von Vermögen, falls in der Pensionskasse die Perrenität erreicht bzw. überschritten ist.

3.1 Ausgangslage

In den letzten Jahren ergab sich für Profond nachstehender Liquiditätsbedarf in Mio CHF.

Dem Liquiditätsbedarf standen nachstehende Liquiditätszuflüsse gegenüber:

Zur Abgeltung der Risiko- und Verwaltungskosten werden von Profond Beiträge erhoben (vgl. 2.1. und 2.2.), welche mindestens die Aufwendungen decken. Die Finanzierung von Sonderleistungen (Einkauf von Beitragsjahren, Lohnerhöhungen, Überbrückungsleistungen etc.) ist im Reglement separat geregelt und erfolgt mittels zusätzlichen, deckungsgleichen Beiträgen.

3.2 Aussichten 2009

Für 2009 ergibt sich aufgrund von Neuanschlüssen ein Kapitalzufluss von CHF 270 Mio. Dem steht ein Mittelabgang infolge Kündigungen von CHF 5,7 Mio gegenüber. Die ordentlichen Beitragszahlungen erhöhen sich dank dem Wachstum um CHF 65 Mio. auf CHF 298 Mio. im Jahr.

Mittelabgänge für Überweisungen von Freizügigkeitsleistungen, Pensionierungen oder Wohneigentumsförderung werden im normalen Rahmen erwartet, d.h. Austrittsleistungen, Einmaleinlagen und Einkaufssummen halten sich wie bis anhin in etwa die Waage.

Infolge Zunahme des Rentenbestandes werden die Rentenzahlungen um rund CHF 1 Mio. auf CHF 3,5 Mio. zunehmen.

Ordentliche Abgänge werden mit 100 Prozent ihrer Guthaben bedient. Das hat Mutationsverluste zur Folge und schwächt die versicherungstechnische Bilanz. Sind Kündigungen mit einer Teilliquidation verbunden, erfolgen die Abgänge bilanzneutral, d.h. die Unterdeckung wird den Austritten weitergegeben.

Im Jahr 2009 sind infolge der durchhängenden Realwirtschaft gehäuft Kündigungen zu erwarten und das innere Wachstum der Anschlusspartner dürfte kurzfristig sogar rückläufig und allenfalls negativ sein. Allerdings werden vom Rückgang der Beschäftigung eher Grossbetriebe als KMU, die Kundschaft der Profond, betroffen sein.

3.3 Mittel- bis langfristige Entwicklung

Die Profond Vorsorgeeinrichtung befindet sich in einer Aufbauphase. Im Vergleich zur Anzahl der Versicherten ist der vorhandene Kapitalstock vergleichsweise klein und auch die Rentendeckungskapitalien sind im Verhältnis zu den Altersguthaben gering. Aufgrund der aktuellen Struktur innerhalb des Bestands der Aktiven lässt sich eine normale Zunahme der Altersrenten prognostizieren, was zu einer überdurchschnittlichen Zunahme der Rentenzahlungen, allerdings auf sehr niedrigem Niveau führen wird.

Bei den gegebenen Anschlüssen wird die jährliche Zunahme der Beiträge, bedingt durch Lohnerhöhungen und das innere Wachstum der Anschlusspartner auf längere Zeit höher sein, als die Zunahme der Rentenzahlungen. Profond rechnet, ausgehend von CHF 622 Mio. im Jahr 2008, bis auf Weiteres mit einem jährlich zunehmenden positiven Kapitalzufluss. Die Bereitstellung der erforderlichen Liquidität kann auf weite Sicht aus zufliessenden Beiträgen erbracht werden.

Wertschwankungen des Kapitalstocks und schwankende jährliche Nettorenditen sind aus dieser Sicht keine kritischen Risikofaktoren. Solange ein versicherungstechnisch strukturelles Gleichgewicht herrscht, haben sie bis auf Weiteres eine untergeordnete sicherheitstechnische Bedeutung.      top ↑

4. Wirkungsweise von Sanierungsmassnahmen

Sanierungsmassnahmen können grundsätzlich auf der Leistungsseite (interne Verzinsung, Umwandlungssatz, Leistungsprogramm) oder auf der Finanzierungsseite (Beiträge, Erträge, Einlagen) beschlossen werden. Die zusätzlich propagierten, flankierenden Massnahmen, wie intensive Beobachtung des Geschehens und Management des Verlaufs von Vermögen und Verpflichtungen, gehören zum üblichen Risikomanagement der Profond.

4.1 Reduktion von Leistungen

Das Leistungsprogramm wird von den einzelnen Anschlüssen definiert und kann vom Stiftungsrat nicht verändert werden. Profond kann hingegen die Höhe von Altersleistungen beeinflussen und diese generell reduzieren, indem sie beispielsweise die interne Verzinsung und/oder die Umwandlungssätze für die Rentenberechnung herabsetzt.

Die interne Verzinsung von 4 Prozent kann auf den Guthaben der Aktiven reduziert werden. Diese Massnahme impliziert allerdings eine Ungleichbehandlung der Aktiven und Rentenbezüger. Eine Verminderung der ordentlichen Verzinsung von den reglementarisch vorgegebenen 4 Prozent auf den staatlichen Minimalzinssatz von 2,75 Prozent verbessert den Deckungsgrad per 1. Januar 2009 um 0,9 Prozent von 85,4 auf 86,2 Prozent. (vgl. Ziffer 1 Deckungsgradentwicklung).

Bei Profond wird für jeden Versicherten das notwendige Kapital für die Altersrente während seiner Aktivzeit voll ausfinanziert. Eine Reduktion vom aktuell gültigen reglementarischen Umwandlungssatz von 7,2 Prozent auf den versicherungstechnisch ausgewiesenen Satz von 6,8 Prozent würde darum lediglich die Auflösung der für die Garantie des Umwandlungssatzes bilanzierten Reserven erlauben. Diese Massnahme hätte bei der Implementierung eine einmalige Verbesserung des Deckungsgrads um 0,6 Prozent zur Folge und wäre anschliessend bilanzneutral.

Mit einer fortlaufenden Reduktion der internen Verzinsung um 1 Prozent gegenüber dem technischen Zins kann die versicherungstechnische Bilanz nach 19 Jahren ausgeglichen werden. Mit einer ständigen Verzinsung zum aktuellen BVG-Minimalzins von 2 Prozent erfolgt der Bilanzausgleich nach 9 Jahren (vgl. Graphik).

Entwicklung des Deckungsgrades:
Entwicklung Deckungsgrad

4.2 Verstärkung der Finanzierung

Die Finanzierungsseite kann mittels Einlagen und Sanierungsbeiträgen oder einer Erhöhungen des langfristigen Ertragspotentials verstärkt werden.

Zum sofortigen Ausgleich der Bilanz müssten Einlagen von CHF 390 Mio. bereitgestellt werden. Profond hat keine rechtliche Handhabe von ihren Anschlusspartnern Einlagen in Form von Einmalzahlungen zu verlangen oder durchzusetzen. Diese müssten freiwillig, beispielsweise in Form von neuen Beitragsreserven oder mittels Verwendungsverzicht auf bestehenden Beitragsreserven, erfolgen. Durch einen vorübergehenden Verwendungsverzicht auf den bereits bestehenden Sondervermögen der Anschlüsse könnte die versicherungstechnische Bilanz um 2,3 Prozent-Punkte verbessert werden.

Sanierungsbeiträge können entweder à fonds perdu eingefordert oder als Beitragsreserven mit einem Verwendungsverzicht belegt werden. Wird die Dauer der Beitragserhebung nicht terminiert, kann der Barwert der Sanierungsbeiträge in die Bilanz eingestellt werden. Zum Ausgleich der aktuellen Unterdeckung sind Beiträge in Höhe von 2,2 Prozent der versicherten Löhne notwendig. Mit den entsprechenden, jährlichen Zusatzeinnahmen von CHF 34.7 Mio. könnte die Deckungslücke nach rund 16 Jahren geschlossen werden (vgl. nachstehende Graphik).

Entwicklung des Deckungsgrades:
Entwicklung Deckungsgrad

Die strategische Ertragserwartung auf dem Vorsorgekapital liegt mit der heutigen Anlagestrategie zwischen 6 und 8 Prozent. Bei einer Zielerreichung mit 6,5 Prozent würde die versicherungstechnische Bilanz innerhalb von gut 6 Jahren ausgeglichen (vgl. nachstehende Graphik).

Entwicklung des Deckungsgrades:
Entwicklung Deckungsgrad

Wird das Ertragspotential mittels Strategieänderung auf 4,5 Prozent reduziert, könnte die versicherungstechnische Bilanz ceteris paribus erst nach 32 Jahren ausgeglichen werden. Anderseits würde mit einer Ausweitung des Ertragspotentials die Wahrscheinlichkeit von weiteren Kursverlusten erhöht.      top ↑

5. Einsatz von Sanierungsmassnahmen

Die momentane Unterdeckung der Profond ist die Folge eines auch für die moderne Pensionskassenwelt in der Grössenordnung einzigartigen Vorgangs. Die Finanzkrise hat sich mit unheimlicher Geschwindigkeit auf die Realwirtschaft ausgedehnt. In der Folge wurden die Bewertungen von Unternehmen stark nach unten korrigiert. Die Kursverluste auf den Aktien haben generell, nicht nur bei Profond, grosse Finanzlöcher in die versicherungstechnischen Bilanzen gerissen. Diese negative Entwicklung auf der Aktivseite hat unmittelbar keine materiellen Konsequenzen für die Versicherten, solange sie bei Profond verbleiben.

Die infolge von Kursverlusten entstandenen Deckungslücken können realistisch nur mit Kursgewinnen und Überschussrenditen wieder wett gemacht werden. Eine Erholung der Börse ist aufgrund von Erfahrungen zu erwarten, dürfte sich aber diesmal über längere Zeit hinziehen, als nach dem letzten Einbruch.

5.1 Langfristige Ausrichtung

Nachstehende Graphik zeigt, dass Einbrüche der Aktienwerte in der Vergangenheit in der Schweiz immer wieder korrigiert wurden. Analoge Verläufe können weltweit und insbesondere auch in den USA beobachtet werden. Sollten sich die Börsen trotzdem, entgegen den Erwartungen, nie mehr erholen, kann das aktuelle Problem der betrieblichen Altersvorsorge nicht mehr auf kassenspezifischer Ebene gelöst und müsste von Grund auf neu überdacht werden. Demnach stehen Pensionskassen heute vor der zentralen Frage, wie lange sie mit dem Problem einer Unterdeckung operieren können, ohne das gegebene Leistungs-/Finanzierungs-Konzept zu gefährden.

Vermögensentwicklung seit 1925, mit verschiedenen Anlagestrategien:
Vermögensentwicklung

Erfahrungsgemäss wird die Performance nicht linear erwirtschaftet, sondern jährlich durch wenige, einzelne Ereignisse determiniert. Werden die entscheidenden Tage verpasst, dürfte die strategische Zielsetzung unerreichbar bleiben. Entsprechend geniessen die Strategie und deren konsequente Einhaltung bei Profond Priorität.

Das Timing der Anlagen und die taktischen Gewichtungen sind spekulativer Natur und der langfristigen Orientierung abträglich. Mit einer vorübergehenden Senkung des Aktienanteils kann kurzfristig das Verlustrisiko zwar reduziert werden, gleichzeitig schwinden aber die Gewinnchancen im Falle eines Trendwechsels. Profond würde mit einer signifikanten Reduktion des Aktienanteils ihr langfristiges Renditepotential entscheidend schwächen und riskieren, dass sie ohne zusätzliche Beiträge nie mehr aus der Unterdeckung herausfindet.

5.2 Finanzierungsbasis erhalten

Neben anlagetechnischer Grundsätze müssen beim Einsatz von Sanierungsmassnahmen auch betriebs- und volkswirtschaftliche Gesichtspunkte berücksichtigt und gewichtet werden. Der Ausgleich der Deckungslücke mit Sanierungsbeiträgen würde von Firmen und aktiven Versicherten über etliche Jahre hohe Beiträge erfordern und ihre Kaufkraft nachhaltig vermindern. Die Wirtschaft allgemein und vor allem finanziell darbende Unternehmen werden durch eine zusätzliche finanzielle Belastung und die damit einhergehende Abschöpfung von Kaufkraft unmittelbar zusätzlich geschwächt.

Die Verstärkung des Konjunkturabschwungs wegen Sanierungsbeiträgen geht einher mit einer finanziellen Umverteilung zwischen aktiven Versicherten und Rentenbezügern. Diesen Nachteilen steht eine zögerliche Verbes-serung der versicherungstechnischen Bilanzen gegenüber. Das Einfordern von Sanierungsbeiträgen zum jetzigen Zeitpunkt ist für Profond unter diesen Umständen unverhältnismässig, zumal der Deckungsgrad auch auf längere Sicht keine kritische Bezugsgrösse darstellt und die strukturelle versicherungstechnische Ausrichtung der Stiftung (Leistungs-/Finanzierungs-Verhältnis) ausgewogen ist. Falls sich der Deckungsgrad weiter verschlechtern sollte und insbesondere, wenn das strukturelle Gleichgewicht verschoben würde, müsste die Option von Sanierungsbeiträgen neu erörtert werden.      top ↑

6. Empfehlungen von Risikomanagement und Experten

Gestützt auf Art. 65 c–e BVG, Art. 35 a, Art. 41 a, und Art. 44 ff. BVV2 sowie die Weisungen über Massnahmen zur Behebung von Unterdeckungen in der beruflichen Vorsorge muss der Stiftungsrat Massnahmen beschliessen zur Behebung der Unterdeckung innert der vorgegebenen Frist von 5–7, maximal 10 Jahren.

Dem Stiftungsrat werden nachstehende Empfehlungen zur Beratung und zum Entscheid vorgelegt, sofern sich nach Vorliegen der revidierten Jahresrechnung und des versicherungstechnischen Gutachtens keine entscheidend neue Erkenntnisse ergeben. Der Stiftungsrat kann Anpassungen und Änderungen zu nachstehenden Empfehlungen beschliessen. Dabei wird er auch die Entwicklung im neuen Jahr bis zu seiner Sitzung im Auge behalten.

6.1 Vermögenserträge

Das Ertragspotential der aktuellen Anlagestrategie beträgt langfristig 6 bis 8 Prozent. Mit den damit über der minimalen Sollrendite erwarteten Erträgen könnte die versicherungstechnische Bilanz ceteris paribus innert 6 Jahren ausgeglichen werden.

Es wird keine Veränderung des Ertragspotentials empfohlen. Kurz- bis mittelfristig dürften die Erträge auch bei der gegebenen Anlagestrategie niedriger als bisher ausfallen. Der mittelfristig erwartete Anlageertrag beträgt 4,4 Prozent und für den Sanierungsbeitrag aus der Anlagetätigkeit (Anlageertrag minus Sollrendite) werden jährlich 0,14 Prozent veranschlagt.

6.2 Leistungsreduktionen

Das aktuelle Leistungsangebot wird grundsätzlich aufrecht zu erhalten. Hingegen wird die jährliche Verzinsung der Altersguthaben ab dem 1. Januar 2008 bis Weiteres auf den jeweiligen BVG-Zinssatz reduziert bis das versicherungstechnische Gleichgewicht wieder erreicht ist. Die dieser Massnahme implizite Umverteilung zwischen Aktiven und Rentenbezügern könnte anschliessend mit Überschusszinsen auf den Altersguthaben bei gleichbleibenden Renten leicht wieder korrigiert werden.

6.3 Auswirkungen auf den Deckungsgrad

Aus den empfohlenen Massnahmen resultiert ein jährlicher Sanierungseffekt von 1,8 Prozent des Vermögens vom 1. Januar 2009. Damit kann die Deckungslücke von 14,6 Prozent ceteris paribus innerhalb von 8,1 Jahren ausgeglichen werden (vgl. nachstehende Graphik).

Sollten die mit dem Verlauf der Simulation aufgezeigten Meilensteine nicht erreicht werden, wird der Stiftungsrat zusätzliche Massnahmen in Erwägung ziehen und allenfalls neu beschliessen.

Entwicklung des Deckungsgrades:
Entwicklung Deckungsgrad

6.4 Flankierende Massnahmen

Flankierende Massnahmen zielen vor allem auf eine Optimierung des Liquiditätshaushalts der Profond, d.h. die Minimierung von Kapitalabflüssen in Form von Kapitalleistungen und -abfindungen sowie die Maximierung von Kapitalzuflüssen.

Mit geeigneten Massnahmen wird darauf hingearbeitet, dass

  • bei Pensionierungen die Rente gewählt wird
  • im Todes- und Invaliditätsfall Renten bezogen und Kapitalabfindungen minimiert werden
  • Austritte von aktiven Versicherten mit vollen Freizügigkeitsleistungen minimiert werden
  • Teilliquidationen konsequent erkannt und umgesetzt werden
  • Vorbezüge für die Finanzierung von Wohneigentum minimiert werden

Im Hinblick auf die im Zuge der einbrechenden Konjunktur erwartete Zunahme der Invalidisierungen werden die bereits laufenden Bestrebungen zur Reduktion von Schadenfällen, u.a. mittels einem gezielten Ausbau des Care- und Case-Managements, intensiviert.

Ein forciertes Wachstum ist im negativen Bereich die wirksamste Massnahme zur Verbesserung der versicherungstechnischen Bilanz. Die Akquisitionsbemühungen werden darum trotz garstigem Umfeld verstärkt.      top ↑

Bot-Test (leave blank):

Kommentar schreiben







  Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Bitte schreiben Sie die 2 Worte unterhalb mit einem Abstand getrennt in das vorgesehene Feld. Sie helfen uns damit, die Spamflut einzudämmen. Falls Sie die Worte nicht richtig lesen können, klicken Sie auf die oberste der drei blauen Schaltflächen und Sie erhalten ein neues Wortpaar.

Wir behalten uns vor, einen Kommentar nicht zu veröffentlichen, wenn er ehrverletzend, rassistisch, unsachlich oder themenfremd ist. Beiträge unter Phantasie- oder offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht berücksichtigt. Bitte halten Sie sich an die Sprache des Artikels – keine Mundart. Ihr Beitrag wird von uns nicht redaktionell bearbeitet. Über Entscheide wird nicht korrespondiert.



0 Kommentare