So verlauern Pensionskässeler unsere Rente
Blick entlarvt den 2.-Säule-Pfusch von Bern
Impressum: Dieser Artikel mit Herbert Brändli, Pensionsversicherungsexperte, ist erschienen in BlickWirtschaft, 6. Januar 2006, S.4–5; Autor: Silvio Bertolami
Seiteninhalt
- Blick entlarvt den 2.-Säule-Pfusch von Bern
- Hart gesagt – von Silvio Bertolami
- Je mehr Aktien, desto höher die Renten
- Wie erzielen Sie eine höhere Rendite als andere, Herr Brändli? (interview)
Tabellen
Kasten
Zürich. Die Börse boomt – doch die meisten Pensionskassen profitieren zu wenig davon. Sie hocken auf viel zu vielen renditeschwachen Obligationen. Die Folge auf lange Sicht: Renteneinbussen von 35 Prozent.
Hart gesagt – von Silvio Bertolami
Eine BLICK-Umfrage zeigte: Die Mehrzahl der Pensionskassen verzinst die Altersguthaben mit mageren 2,5 Prozent. Mit dem offiziellen Mindestzins.
Die allermeisten Pensionskassen und Sammelstiftungen machen zudem immer grössere Abstriche bei der Umwandlung der Altersguthaben in Renten. Sie dürfen den Umwandlungssatz (Erklärung im Kasten) bis ins Jahr 2014 auf 6,8 Prozent senken. So steht es im Gesetz. Und nun will der Bundesrat noch radikaler vorgehen: Senkung auf 6,4 Prozent, und zwar bis 2011.
Dabei, sagt Pensionskassenexperte Herbert Brändli, kann man das Alterskapital ohne weiteres mit 4,0 Prozent verzinsen. Und den Umwandlungssatz zumindest vorläufig bei 7,2 Prozent belassen. Man muss nur das Geld, also das Pensionskassenvermögen, richtig anlegen.
Wie wichtig die Anlagestrategie ist, belegt Brändli mit einer brisanten Langfriststudie. Brändli: «Wir wissen, wie viel Ertrag Schweizer Obligationen und Aktien seit 1925 abgeworfen haben. Wir wissen auch, wie sich die Lebenserwartung entwickelt hat. Wir können also rückblickend ausrechnen, welcher Umwandlungssatz dazu geführt hätte, dass das Altersguthaben nach der letzten Rentenzahlung exakt auf null abgebaut worden wäre.»
Die Langfristbetrachtung zeigt: Ein hoher Aktienanteil lohnt sich. Wer fast nur Obligationen hält, nimmt Renteneinbussen von gut 10 Prozent in Kauf. Dies ailein bei der Umwandlung des Altersguthabens in Rente. Wird zudem das Altersguthaben nur mit einer mickrigen Verzinsung aufgebaut, resultiert insgesamt eine Renteneinbusse von 35 Prozent. top ↑
Je mehr Aktien, desto höher die Renten
So könnte der Umwandlungssatz sein:

Wie erzielen Sie eine höhere Rendite als andere, Herr Brändli?
Rüschlikon ZH. Mehr Zins. Höhere Renten.
Experte Herbert Brändli (56) sagt, dass viele Pensionskassen zu ängstlich sind. Und dass sie für ihre Versicherten mehr herausholen können. top ↑
Blick: Herr Brändli, können Sie zaubern?
Herbert Brändli: «Nein. Warum meinen Sie?»
Sie sind Präsident der Profond. Diese Sammelstiftung für kleine und mittlere Unternehmen zahlt deutlich höhere Zinsen auf dem Alterskapitat als die meisten anderen Pensionskassen.
«Das hat nichts mit Zauberei zu tun. Sondern mit der Art und Weise, wie wir das Geld anlegen. Wir haben einen relativ hohen Anteil des Pensionskassenvermögens in Aktien angelegt. Zur Zeit liegt dieser Anteil bei 48 Prozent. Deshalb erzielen wir eine sehr gute Rendite.»
Wir hatten 2005 einen regelrechten Aktionboom. Doch haben Sie nicht Angst, dass die Börsen bald wieder in den Keller sausen?
«Nein. Wir wissen, dass Aktien kurzfristig stark schwanken können. Es gibt immer wieder Einbrüche von 10, 20, ja 50 Prozent. Das braucht uns nicht zu beunruhigen. Denn Pensionskassen können einen langfristigen Anlagehorizont haben – sie müssen es sogar. Und langfristig werfen Aktien vier Prozent mehr Ertrag ab als Obligationen.»
Das nützen viele Pensionskassen zu wenig aus?
«Richtig. Sie haben Angst vor dem Auf und Ab der Börse. Und vor einer vorübergehenden Unterdeckung, die sich ergeben kann. Deshalb verfolgen viele Kassen eine zu konservative Anlagestrategie. Sie kaufen in rauen Mengen tief verzinste Staatspapiere. Doch das kann jeder, dazu braucht es keine Pensionskassen. Die sind dazu da, den Ertrag und damit die Renten zu optimieren.»
Was für Folgen hat eine zu konservative Anlagestrategie auf die Renten – ganz konkret?
«Auf längere Frist kann es gut sein, dass Sie ein Prozent weniger Rendite herausholen. Und wenn Sie ein Altersguthaben während 40 Jahren um ein Prozent weniger verzinsen, gibt es eine Einbusse von 25 Prozent bei der Rente.»
Das bezieht sich allein auf die Jahre bis zum Zeitpunkt der Pensionierung. Spielt die Höhe der Rendite auch nachher noch eine Rolle?
«Ja. Im Zeitpunkt der Pensionierung wird die Rente mit Hilfe des Umwandlungssatzes festgelegt. Der kann höher sein, wenn Sie eine höhere Rendite erzielen. Denn dann schrumpft das Altersguthaben weniger schnell.»
Man ist bereits dabei, den Umwandlungssatz von ehemals 7,2 auf 6,8 Prozent zu senken. Nun will ihn der Bundesrat noch schneller und noch tiefer senken – auf 6,4 Prozent. Ist das nötig?
«Wer das Geld gut verwaltet und die Kosten im Griff hat, muss den Umwandlungssatz noch nicht senken. Wir bei Profond wenden nach wie vor einen Satz von 7,2 Prozent an.»
6,4 statt 7,2 Prozent: Was bedeutet das für die Renten?
«Eine zusätzliche Einbusse von 11 Prozent.»
Interview: Silvio Bertolami top ↑
Umwandlungssatz sinkt
Zürich. Umwandlungssatz, was heisst das?
Angenommen, jemand hat zum Zeitpunkt der Pensionierung ein Altersguthaben von 500 000 Franken. Bis vor kurzem erhielt er dafür eine jährliche Rente von 36 000 Franken – nämlich 7,2 Prozent der angesparten Summe.
Dieser Umwandlungssatz wird jetzt von den meisten Pensionskassen gesenkt: auf 6,8 Prozent, vielleicht sogar auf 6,4 Prozent. Die Folge: Statt 36 000 Franken Rente nur noch 34 000 bzw. 32 000 Franken.
Profond verzinst hoch
Zürich. Herbert Brändli, *1949, ist Pensionskassenberater und Präsident der Profond, einer Sammelstiftung mit Sitz in Rüschlikon ZH. Ihr sind gut 800 Firmen mit 12 500 Versicherten angeschlossen.
Seit ihrer Gründung im Jahre 1990 hat Profond die Altersguthaben im Durchschnitt mit 5,1 Prozent verzinst.
Die Sammelstiftung wendet nach wie vor den hohen Umwandlungssatz von 7,2 Prozent an. top ↑
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