Vier Prozent Zins für Rente, wie machen Sie das?

Impressum: Interview von Silvio Bertolami, Blick Wirtschaft, mit Herbert Brändli, Präsident des Stiftungsrates der Profond Vorsorgeeinrichtung, unabhängige Sammelstiftung für KMU; 27. Oktober 2008, Blick, Seite 11 – Den Text steht in Form eines PDFs zur Verfügung. Herunterladen.

Herr Brändli, schlafen Sie noch gut?

Ich schlafe gut, allerdings kurz. Wir werden zur Zeit mit vielen Fragen und Sorgen konfrontiert, die uns Zeit kosten. Die Finanzkrise hat unter unseren Versicherten eine grosse Unruhe ausgelöst und belastet sie sehr.

Sind die Sorgen nicht berechtigt? Sie haben Ihr Pensionskassenvermögen zu 50 Prozent in Aktien gesteckt, die jetzt abgestürzt sind.

Das sind nur Buchverluste, die uns keine Bauchschmerzen machen. Kurzfristig kommt es nur darauf an, dass genügend Geld in der Kasse ist. Was bei uns zutrifft. Profond hat heute mehr Geld in der Kasse als vor der Finanzkrise. Wir verzeichnen einen beträchtlichen Nettozufluss. Die Zahlungsfähigkeit und damit die Renten und Freizügigkeitsleistungen sind nicht gefährdet – trotz der schlechten Börsenlage.

Wegen der vielen Aktien ist Ihr Deckungsgrad unter 90 Prozent gefallen. Eine Unterdeckung von 10 Prozent oder mehr – wirklich kein Grund zur Sorge?

Gerade heute dürfte unser Deckungsgrad wohl unter 90 Prozent sein. Doch wo er kurzfristig liegt, ist völlig irrelevant. Der Deckungsgrad schwankt wegen des Auf-und-Ab an den Börsen, er ist einmal besser, einmal schlechter.

Warum löst denn ein Deckungsgrad unter 100 Prozent bei den meisten Pensionskassen Alarm aus?

Ich halte das für unnötig, ja für einen Unsinn. Entscheidend ist, dass der Kapitalstock langfristig stark wächst. Gerade deshalb setzen wir vor allem auf Aktien und nicht auf Obligationen. Aktien werfen auf lange Sicht mindestens drei Prozent mehr Rendite ab als Obligationen. Mit den Aktien sind wir Miteigentümer von produktiven Unternehmen. Das ermöglicht uns, auch künftig am Wachstum der Weltwirtschaft teilzuhaben. Sie legte in der Vergangenheit im Mittel um sechs bis acht Prozent zu.

Kaufen Sie selbst jetzt noch Aktien?

Ja. Weil wir in unserer Kasse überschüssige Liquidität haben, können wir uns laufend zu besten Preisen an guten Firmen beteiligen.

Anders als Sie setzen die meisten Pensionskassen vorwiegend auf Obligationen. Welche Folgen hat das?

Mit Obligationen kann langfristig kaum die Teuerung erwirtschaftet werden. Wegen diesen Anlagen muss der Mindestzins reduziert werden, ebenso der Umwandlungssatz. Unser Umwandlungssatz liegt immer noch bei 7,2 Prozent.

Und welchen Zins auf den Altersguthaben werden Sie fürs 2008 zahlen?

Ich bin für vier Prozent. Es könnte aber sein, dass die Behörden das nicht zulassen.

Vier Prozent, trotz massiver Unterdeckung – sind Sie ein Hasardeur?

In den frühen 90er Jahren, als Folge der Immobilienkrise, hatten wir schon einmal eine Performance von minus 14,5 Prozent und einen Deckungsgrad weit unter 100 Prozent. Trotzdem mussten wir von Gesetzes wegen vier Prozent Zins zahlen. Die Versicherten der Profond haben darunter nicht gelitten. Und auch die Unterdeckung im Jahr 2002 wurde ohne Leistungseinbussen und ohne zusätzliche Kosten für unsere Versicherten überwunden.

Bot-Test (leave blank):

Kommentar schreiben








  Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Wir behalten uns vor, einen Kommentar nicht zu veröffentlichen, wenn er ehrverletzend, rassistisch, unsachlich oder themenfremd ist. Beiträge unter Phantasie- oder offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht berücksichtigt. Bitte halten Sie sich an die Sprache des Artikels – keine Mundart. Ihr Beitrag wird von uns nicht redaktionell bearbeitet. Über Entscheide wird nicht korrespondiert.



0 Kommentare