«Herr Ospel ist ein Gambler»

Impressum: Schweizer Personalvorsorge / Prévoyance Professionnelle Suisse 08-03. Interview von Andrea Hüsser mit Herbert Brändli, Stiftungsratspräsident der Sammelstiftung Profond. Der Artikel als PDF.

«Wir kämpfen für unsere Versicherten und wollen für sie bestmögliche Verhältnisse schaffen.»

Die ausserordentliche Generalversammlung der UBS hat den Antrag von Profond abgelehnt. Die Sammelstiftung verlangte, eine ordentliche Kapitalerhöhung durchzuführen, bei der den bestehenden Aktionären Bezugsrechte eingeräumt würden. Profond-Chef Herbert Brändli ist trotzdem zufrieden mit dem Resultat.

Die ausserordentliche Generalversammlung der UBS hat stattgefunden. Ihr Antrag wurde abgelehnt. Hat Sie das Ergebnis überrascht?

Nein. Als unser Traktandum zur Abstimmug kam, befanden sich viele Leute schon auf dem Heimweg. Dadurch gewannen die von der UBS beeinflussten Depotstimmen noch mehr an Gewicht. Aber ich bin zufrieden mit den 13 Prozent Stimmen, die wir erreicht haben.

Haben Sie wirklich an ein Durchkommen des Antrags geglaubt, oder geht es Ihnen mehr darum, in den Medien auf die Missstände aufmerksam zu machen?

Doch, ich hätte ihn gerne durchgebracht. wichtig war aber für uns vor allem, dass der Verwaltungsrat gezwungen wurde, Stellung zu beziehen. Ich hoffte, dass er im Vorfeld zur GV aufgrund des medialen Drucks eine Alternative bringen würde, nachdem sich GIC für neue Verhandlungen einverstanden erklärt hatte. Denn schliesslich geht es hier um Pension Governance und Corporate Governance. In unserem Reglement heisst es, dass wir Stellung beziehen, wenn wir an einer Generalversammlung Aktivitäten erwarten, die kursrelevant sind – und zwar unabhängig davon, wie hoch der Kurs ist. Mit der Wandelanleihe werden unsere Anteile verwässert. Folglich sind wir unseren Versicherten schuldig, dies zu bekämpfen.

Was bedeutet das für die Destinatäre Ihrer Vorsorgeeinrichtung?

Für die Destinatäre hat eine Verschiebung im üblichen Rahmen stattgefunden. Der Aderlass durch die Kursveränderung war sicher grösser als durch die Verwässerung der Aktienanteile, wobei sich der Kurs sicher wieder erholen wird. Über das Portfoliomanagment können wir das wieder ausgleichen. ein bleibender Nachteil hingegen ist der Verlust an Stimmrecht.

Sie setzen sich dafür ein, dass Altaktionäre nicht um ihr Bezugsrecht und damit um die Möglichkeit einer attraktiven Investitionsmöglichkeit gebracht werden. Was für eine Haltung haben Sie bei den anwesenden Aktionären herausgespürt?

Wir haben zusätzlich 45 Drittaktionäre vertreten, die uns Ihre Vollmacht erteilt hatten, um für sie zu stimmen. Dabei handelt es sich auch um Stiftungen, die ihre Stimme nicht mit ihrem Namen vertreten wollten. An der Versammlung selber gab es sehr viele emotionale Voten. Der Tenor der Institutionellen war, dass sie bereit sind, diese UBS-Kröte zu schlucken. ein anderer Sprecher stellte die Diagnose des kranken Patienten auf der notfallstation, der umgehend eine Spritze braucht. Da diese Bank grundsätzlich sehr gute Arbeit geleistet und ohne das Subprimedebakel 16 Milliarden Gewinn erzielt hat, lautet meine Diagnose: ein gesunder Körper hat ein Geschwür, das entfernt werden muss. Das Investmentbanking muss also weg. Sind die risiken reduziert, steigt folglich die Kernfinanzierung.

Die UBS bekommt mit Sergio Marchionne einen neuen Vizepräsidenten. Bräuchte es stattdessen nicht mehr Bankexperten im Verwaltungsrat?

Ich gebe Marchionne mein vollstes Vertrauen. Er ist kein Banker, sondern ein Unternehmer, und hat mehrere Male gezeigt, dass er in der Lage ist, Patienten zu heilen. Trotzdem, richtige Bankexperten braucht es schon. Herr Ospel ist keiner. Er ist ein Investmentbanker und ein Gambler. Es gäbe sehr wohl fähige Banker, die gleichzeitig ethisch vertretbar handeln und Charakter haben.

Nähmen Sie ein Verwaltungsratsmandat bei der UBS an?

Nein. Mein Motto lautet: Schuster bleib bei deinem Leisten.

PKs sind eher graue Mäuse als Investoren. Wollen Sie die Pensionskassen etwas aus der Reserve locken und sie ins Licht der Öffentlichkeit stellen? Sollte man mehr aus der Branche machen?

Absolut. Nicht nur im Anlagebereich, sondern vor allem politisch, denn wir haben keine Vertreter in Bern. Unsere politische Einflussnahme ist mickrig in Anbetracht der grossen Vermögen, die wir verwalten. Im Prinzip müsste man sich zusammenschliessen. Zudem müsste der Wettbewerb gefördert werden.

Wie sehen Sie Ihre Rolle in der Pensionskassen-Welt?

Wir kämpfen für unsere Versicherten und wollen für sie bestmögliche Verhältnisse schaffen und geben uns nicht zufrieden mit dem Durchschnitt.

Sie exponieren sich nicht nur in Bezug auf die UBS, sondern beziehen allgemein gerne öffentlich klar Stellung und ecken bei vielen damit an. Sind Sie eine Kämpfernatur?

Ich fühle und kämpfe mit den Minderbemittelten und mit den Normalbürgern. Es ist mir ein Anliegen, dass diese Leute wenigstens eine anständige Rente beziehen können, wenn sie sonst schon nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Es gibt genug Schlafwagenkapitäne, die etwas vor sich hinwursteln und damit zufrieden sind. Ich will handeln.

Besten Dank für das Gespräch.

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