Pensionskassen müssen ihre natürlichen Stärken wieder ausspielen
Impressum: Autor ist Herbert Brändli (Details) – Statement in KMU LIFE, 8. Dezember 2010.
Die Finanzkrise hat den Blick auf strukturelle und konjunkturelle Problemstellungen der Pensionskassen vernebelt. Vorübergehende Unterdeckungen lösten einen Sanierungsaktivismus mit kurzsichtigen Absicherungen gegen Vermögensschwankungen aus. Darob sinken die real produzierten Renten. Um sie wieder zu verbessern, müssen die natürlichen Stärken – aufbauend auf Gemeinschaft, Unabhängigkeit und Beständigkeit – wieder vermehrt genutzt werden.
Die Chance der beruflichen Altersvorsorge liegt in einem landesweit äusserst beständigen Versichertenkollektiv, das Einzelne nur in seltenen Ausnahmefällen verlassen können. Diese kontinuierlich wachsende Vermögensgemeinschaft bildet die robuste Grundlage für ertragreiche Anlagen. So lange Fortbestand und Unabhängigkeit gewährleistet sind, können Pensionskassen Vermögensschwankungen zeitlich ausgleichen, bei verschiedenen Lebenserwartungen solidarisch wirken und die Renten unter den Eintrittsjahrgängen ausgleichen indem sie das Gesetz der grossen Zahlen bewusst nutzen und es sich leisten können, am Ende eines Jahres nicht immer voll gedeckt zu sein.
Regulatorische Schranken sowie politischer und medialer Druck drängen diese einzigartigen Vorteile der Pensionskassen in den Hintergrund. Statt Leistungen werden Deckungsgrade bewirtschaftet. Damit können Versicherte im Alter aber nichts kaufen. Dieses Verhältnis zwischen Vermögen und Verpflichtungen sagt nichts über die Höhe und die Qualität der Leistungen aus. Der Ausgleich des Deckungsgrads ist auf höchst unterschiedlichen Leistungsebenen machbar. Bei 100 Prozent bringt ein Jahresbeitrag von CHF 12’000 für jedes zusätzlich gutgeschriebene Prozent um einen Drittel mehr Rente. Bei der aktuellen Lebenserwartung betragen die Modellrenten mit Zinsgutschriften von einem Prozent CHF 29’543, mit dem aktuellen BVG-Zins von zwei Prozent CHF 40’243 und mit dem ursprünglichen BVG-Zins von vier Prozent CHF 75’873. Die niedrigste Rente entspricht dem so genannten ökonomischen Deckungsgrad.
Diese schlaffe Zielvorgabe beschreibt trefflich das wirtschaftliche Verständnis, welches die politischen Protagonisten der Berater- und Versicherungslobby der beruflichen Vorsorge entgegenbringen. Sie drohen die Pensionskassen sinn- und wertlos zu machen. Diese Schwarzmaler verkennen, dass Pensionskassen traditionell viel höhere Leistungen produzieren, als ihre Modelle vorgeben. Man kann sich Systeme ausmalen, die für Sparer beträchtlich effizienter und ertragreicher sind, ohne dass bei jedem Stellenwechsel Kapitalien verlustreich hin und her geschoben werden.
Mit «sicheren» Anlagevehikeln läuft den Pensionskassen das Leistungs- und Finanzierungsgefüge aus dem Ruder. Alle Szenarien mit Anleihen deuten auf anhaltende Verluste hin. Eine wachsende Obligationenpreisblase und zunehmende Gegenparteirisiken bedrohen die Anlagesubstanz und die Erträge werden bei der statistisch ausgewiesenen Durchschnittsstrategie auf lange Zeit niedrig bleiben. Damit werden nur Erfahrungswerte bestätigt, wonach weltweit mit Obligationen langfristig nie und nirgends angemessene Erträge erzielt wurden. Pensionskassenstrategien müssten darum auf Gewinne und Dividenden sowie Mieterträge ausgerichtet werden.
Dagegen wurde im BVG-Modell einseitig auf Zinsen gesetzt. Das Gesetz beruht auf längst falsifizierten Risikotheorien, welche Aktien Unsicherheit und Obligationen Sicherheit bescheinigen. Altersguthaben sollen darum gemäss Marktzinsen und Lohnzuwachsraten verzinst werden. Die minimal vorgesehenen Zinsgutschriften von ursprünglich vier Prozent mussten, gehörig dem absteigenden Ertragsverlauf, laufend nach unten korrigiert werden. In der Folge hat sich zwischen Rentenbezügern und Aktiven eine Kluft aufgetan, die den Generationenausgleich gefährdet.
Es liegt auf der Hand, dass bereits die minimalen BVG-Leistungen mit Anleihen nicht finanziert werden können. Zur Erhaltung von vertretbaren Renten müssen Pensionskassen ihre natürlichen Stärken wieder ausspielen und die Finanzierungsgrundlagen mit ertragsstarken Anlagevehikeln fundamental verbessern.
Herbert Brändli ist Gründer und Geschäftsführer der B+B Vorsorge AG. Zurück
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