32. AWP-Arbeitstagung:
Risikoversicherung für Pensionskassen
Impressum: Dieser Artikel von Herbert Brändli, Geschäftsführer der B+B Vorsorge AG, ist in der Ausgabe Nr. 15, 24. August 2005, der «AWP Soziale Sicherheit» erschienen.
Seiteninhalt
- Von Pensionskassen für Pensionskassen
- Individuelle Risikoreserve
- Versicherungsmodell
- Risikoprämie
- Vertragsauflösung
- Case-Management
Tabellen & Bilder
An der AWP-Arbeitstagung präsentierte Herbert Brändli die seit Anfang 2005 auf dem Markt tätige Risiko-Rückversicherung PKRück, von Pensionskassen für Pensionskassen. Fünf unabhängige Sammelstifiungen (Profond, Nest, PKG, Abendrot und Alsa) haben eine Lebensversicherung von Vorsorgeeinrichtungen für Vorsorgeeinrichtungen gegründet. Sie versichert für alle Pensionskassen, Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen die Risiken Tod und Invalidität.
Die in der Form einer Aktiengesellschaft in Vaduz gegründete und von Zürich aus operierende Lebensversicherungsgesellschaft PKRück funktioniert nach dem Genossenschaftsprinzip.
Ausschliesslich für Pensionskassen werden die Todesfall- und Invaliditätsrisiken versichert. Die Vorsorgeeinrichtungen bezahlen Prämien gemäss ihrem tatsächlichen Risikoverlauf. Damit profitieren die angeschlossenen Pensionskassen und ihre Arbeitgeber unmittelbar von eigenen Massnahmen zur Verbesserung des Risikoverlaufs.
Im Sinne des Stop-loss deckt der Versicherer unerwartete, geballte Schadensverläufe. Damit wird der Höchstschaden limitiert. Die Prämien können niedrig gehalten werden, und die Pensionskasse hat ein unmittelbares Interesse zum Einsatz von eigenen risiko- und kostenmindernden Massnahmen. top ↑
Von Pensionskassen für Pensionskassen
Die PKRück ist ausschliesslich den Versicherten in den Pensionskassen verpflichtet. Abgesehen von den Kosten für die Verwaltung und Rückversicherung durch die Swiss Re verlassen keine Mittel den Vorsorgekreislauf.
Die Gesellschaft ist statutarisch verpflichtet, die Gewinne als direkte Gutschrift oder als Dividende wieder an die Versicherten zurückfliessen zu lassen. Deshalb können ausschliesslich nur Pensionskassen Aktionäre der PKRück sein. Gestartet wird mit einem Aktienkapital von 15,5 Mio Franken.
Bis Ende 2005 können sich andere Vorsorgeeinrichtungen als Aktionäre der Gesellschaft anschliessen. Pensionskassen, die ihre Rückversicherung bei dieser Gesellschaft versichern wollen, müssen aber nicht unbedingt auch Aktionäre werden. Alle autonomen Vorsorgeeinrichtungen, die ihre Risiken Tod und Invalidität rückversichern wollen, können von diesem neuen Modell profitieren.
Mit dieser neuen Versicherungsform sollen die Kosten für die Absicherung der Risiken Tod und Invalidität im Durchschnitt um etwa 30 Prozent gesenkt werden können, erklärte der Vorsitzende der Geschäftsleitung, Peter Eugster, vor den Medien. Die Verantwortlichen der neuen Risikolebensversicherungsgesellschaft stammen alle aus dem Kreis der 2. Säule. Sie bekennen sich zu «bedingungsloser Transparenz» und wollen echten Wettbewerb schaffen. top ↑
Individuelle Risikoreserve
Das Versicherungsmodell basiert auf PK-individuellen Risikoschwankungsreserven, die für jede Kasse separat geführt werden.
Konkret erfolgt die Absicherung mittels einer Limitierung der finanziellen Belastungen der kundeneigenen Risikoreserven durch einzelne Schadensfälle (externe Rückversicherung) sowie mit einer Versicherung gegen den Verlust der Reserve (interner Risikoausgleich). Die beiden Versicherungen bestimmen zusammen mit dem Verwaltungsaufwand die Kosten, die der Stiftung in Rechnung gestellt werden. Sie sind abhängig von der Anzahl der Versicherten, den erwarteten Schadensfällen und der jeweiligen Höhe der Risikoreserve.
Anhand von aktuariellen Berechnungen wird zudem jährlich die technisch notwendige Zuführungsrate an die Risikoreserve bestimmt. Die Zuführungsrate reduziert sich in dem Masse, indem die Risikoreserve ihre eigene Planhöhe übersteigt. Sie kann ganz wegfallen, wenn keine Schadensfälle auftreten. Damit gibt es weder Quersubventionierungen zu anderen Versicherungsbranchen, noch unter den Versicherungsnehmern. Alle Vertragspartner haben ein vitales Interesse an einer optimalen Risikobewirtschaftung. top ↑
Versicherungsmodell
Die PKRück übernimmt von ihren Kunden die Bewirtschaftung und Absicherung der Todesfall- und Invaliditätsrisiken, indem sie
- einen Teil dieser Risiken auf den Rückversicherer auslagert
- und für den verbleibenden Teil eine Kundenrisikoreserve äufnet und diese gegen Verlust absichert.
In der Vorsorgeeinrichtung ergibt sich dadurch eine klare Trennung zwischen dem Anlage- und dem Risikogeschäft.
Die Kundenrisikoreserve ist ein Aktivum der angeschlossenen Vorsorgeeinrichtung. Sie wird nach Vertragsende auf die Stiftung übertragen.
Die Kundenrisikoreserve wird mit Zuweisungen, Kundenrisikoprämien, Schadenrückzahlungen (Reaktivierungen) sowie operativen Unternehmensgewinnen geäufnet und durch Schadenleistungen abgebaut. Wird die Planhöhe überschritten, erfolgen automatisch Überschusszahlungen zurück zum Kunden. Aktionäre und Geschäftsleitung verpflichten sich gegenüber ihren Kunden zur vollständigen Transparenz bezüglich Prämien, Tarifgestaltung, Reservenbildung, Gewinnverwendung und Kosten. top ↑
Risikoprämie
Die Kundenrisikoprämie ist die anhand von gebräuchlichen Pensionskassengrundlagen berechnete einjährige Risikoprämle für Tod und Invalidität. Die allgemeinen technischen Erfahrungswerte werden den spezifischen Verhältnissen des Kunden angepasst und jährlich verstärkt oder entlastet.
Nach Reaktivierungen werden noch nicht verbrauchte Reserven an die Kundenrisikoreserve zurückbezahlt. Gewinne der PKRück aus dem operativen Geschäft werden zu 90 Prozent den Kundenrisikoreserven gutgeschrieben. 10 Prozent fliessen als Dividende an Vorsorgeeinrichtungen, die Aktien gezeichnet haben.
Im Invaliditätsfall fliessen Teile der Kundenrisikoreserve in die Reserven der Gesellschaft. Diese zahlt und überwacht die fällig gewordenen Renten. Im Todesfall wird der Barwert der versicherten Leistungen zulasten der Kundenrisikoreserve an die Vorsorgeeinrichtung überwiesen. Der Kundenrisikoreserve wird pro Invaliditätsfall maximal mit 500 000 Franken bzw. im Todesfall maximal mit 100 000 belastet. Übersteigende Schadensummen werden vom Rückversicherer oder dem internen Risikoausgleich der PKRück übernommen. top ↑
Grafik: Kundenrisikoreserve

Vertragsauflösung
Nach Abwicklung aller ausstehenden Versicherungsfälle wird der Vorsorgeeinrichtung die verbleibende Reserve zurückerstattet.
- Der Beitrag der Vorsorgeeinrichtung setzt sich aus der Kundenrisikoprämie, den Sicherheitskosten (interner Risikoausgleich, Rückversicherung) und den Verwaltungskosten zusammen.
- Die Kosten für den internen Risikoausgleich variieren mit der Höhe der Kundenrisikoreserve.
- Die Kosten für die Rückversicherung variieren entsprechend der Kundenrisikoprämie.
- Die Verwaltungskosten variieren mit der Anzahl der erwarteten Schadensfälle und der Grösse des kassenspezifischen Versichertenbestandes. top ↑
Case-Management
Flankierend zur eigentlichen Versicherung wird ein Kompetenzzentrum für das Invaliditätsmanagement aufgebaut. Die Gesellschaft übernimmt für ihre Versicherungsnehmer das Handlung von laufenden Invaliditätsfällen. In Ergänzung zum Kerngeschäft unterhält die PKRück einen Schadensdienst mit ausgewiesenen Experten im Bereich Case- und Risk-Management.
Eine Schwäche des heutigen Sozialversicherungssystems besteht nämlich darin, dass zwischen dem Ausscheiden aus dem Arbeitsprozess bis zur Anmeldung bei der IV Zeit vergeht. Zeit in welcher sich die körperlichen und seelischen Symptome verstärken und chronisch werden können.
Die «Case Manager» der Lebensversicherungsgesellschaft kümmern sich um den Menschen hinter «dem Fall» und unterstützen seine medizinische, soziale und berufliche Reintegration.
Zusammen mit kompetenten und fachkundigen Partnern wird damit einerseits den betroffenen Versicherten eine bessere Lebensqualität durch eine optimale Rehabilitation und Reintegration ins Berufsleben ermöglicht, und andererseits kann den Vorsorgeeinrichtungen mit der Schadensminderung das Kosten/Leistungsverhältnis verbessert werden. top ↑
Tabelle: Beispiel Kostenberechnung

Lebensversicherungsgesellschaft für die betriebliche Vorsorge AG
Weinbergstrasse 139, 8006 Zürich top ↑
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