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Ist es richtig Bonds aus Pensionsfonds zu verbannen?

Impressum: Autorin ist Christina Böck – Erschienen am 20. September 2017 auf www.finanzen.ch.

Auch nachdem zumindest in den USA die Zinswende eingeläutet worden ist, halten Schweizer Pensionskassen weiterhin grosse Allokationen in Anleihen. Dies sind oft circa zur Hälft Schweizer Anleihen und ausländische Anleihen, im Durchschnitt und nach Währungsabsicherung mit einer Rendite, die nicht weit über Null hinausgeht. Soll man aber nun Werte halten, die keine Renditen erzielen? Wie soll man an diese Frage herangehen?

 

Investoren sollten immer mit der Analyse ihrer Passiven beginnen. Für eine Pensionskasse sind das die Verpflichtungen gegenüber den Versicherten. Innerhalb der Schweizer Regulierung sind die Verpflichtungen gegenüber Rentnern bekannt. Diese bestehen selbstverständlich in der Auszahlung der schon fixierten Renten. Und diese werden auf der Bilanz der Vorsorgeeinrichtung durch den Technischen Zinssatz abgebildet. Im Hinblick auf die aktiven Versicherten hingegen existieren im Beitragsprimat noch keine festen Zahlungsverpflichtungen, einerseits da das angesparte Kapital statt einer Zahlungsverpflichtung bilanziert wird, andererseits aber auch wegen der Freizügigkeit – in manchen Branchen ist heute überhaupt nicht abzuschätzen, wie die Belegschaft in 5 Jahren aussehen wird.

 

Daher ist für eine Pensionskasse mit gemischtem Bestand eigentlich unmöglich, die Anlagen genau auf die Verpflichtungen abzustimmen (das in anderen Ländern beliebte Liability Driven Investment, kurz LDI). Ausserdem sind die Zinsen bekanntermassen sehr niedrig – heute Festverzinsliche zu kaufen, um sie an Verbindlichkeiten anzulehnen, ist ökonomisch ein reines Verlustgeschäft.

 

Wenn man also mit dem Liability Driven Investment in diesem Sinne das Gesamtrisiko nicht wirklich reduzieren kann, so erscheint es cleverer, sich von vornherein um die passende strategische Anlageallokation zu bemühen, mit der die Mindestrendite langfristig generiert werden kann. Sollten Bonds Teil dieser Allokation sein?

 

Rentenzahlungen der nahen Zukunft sind mit relativ hoher Sicherheit bekannt. Je weiter wir blicken, desto unsicherer werden sie. Unabhängig von der Zinsentwicklung, ist es angebracht, diesen Abfluss mit Bonds gleicher Laufzeiten zu «matchen», da es keine andere Anlageklasse mit so guter Vorhersehbarkeit gibt – vor allem, wenn man sich an gute Bonitäten hält.

 

Je länger der Horizont, desto unattraktiver sind Bonds allerdings: Über einen Konjunkturzyklus (ca. 8 Jahre) kann man mit einer Aktienrendite von ca. 4% über dem risikofreien Zins rechnen. Dies gilt sowohl für globale als auch für Schweizer Aktien. Trotz kurzfristiger Schwankungen sind Anlageklassen wie Aktien, Immobilien, Infrastruktur oder Rohstoffe langfristig rentabel und sollen in die strategische Allokation einfliessen.

 

Zu einer gewissen Diversifikation muss man jedoch eine minimale Allokation an Bonds halten – die Diversifikationseffekte zwischen den Anlageklassen mit hoher Rendite und Anleihen sind wichtig. Um davon zu profitieren sollte aber auch das Bondportfolio breit diversifiziert sein. Dazu gehören Staatsanleihen sowie Unternehmensanleihen aller Bonitäten; hier ist die Diversifikation zwischen Kreditsegmenten ebenso wichtig wie die Aufteilung auf geographische Regionen. Ganz besonders wichtig ist allerdings die Kreditallokation, weil die Kreditrisikoprämie einen viel sichereren Erfolg verspricht als eine pure Zinswette. Und diese sollte man sich nicht entgehen lassen!